Commerzbank Rohstoffradar Juli 2020

Quelle: Bloomberg

Verfrühte Erholung der Industriemetallpreise

Die Metallpreise haben sich von ihrem corona-bedingten Absturz im März schnell erholt und haben seitdem kräftig zugelegt. Der LME-Industriemetallindex ist inzwischen um 17% gestiegen. Obwohl das Coronavirus nach wie vor die Tagesordnung bestimmt und die weltweiten Neuinfektionen weiter zunehmen, verbesserte sich die Stimmung der Marktteilnehmer deutlich. Es scheint, als würden sie die Coronakrise als so gut wie überstanden betrachten und gedanklich mit ihr schon abgeschlossen haben. Wir halten diesen Optimismus allerdings für verfrüht.

Chinas Wirtschaft hat die Talsohle nach den drastischen Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung des Virus wohl schon durchschritten. Darauf deuten die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten hin. Zudem liegt die Auslastung vieler Branchen dort schon wieder auf Vor-Krisen-Niveau. Immun ist China aber nicht, denn das Land hängt zu einem guten Teil am Tropf der Weltwirtschaft – und die schwächelt noch, wie die eingebrochenen chinesischen Exportaufträge zeigen. Hinzu kommt die Gefahr, dass eine zweite Infektionswelle die Wirtschaftserholung abwürgt. In der EU und in den USA wurden die Lockdown-Maßnahmen erst Mitte bzw. Ende März und damit später als in China eingeführt. Deshalb müssen die „harten“ Daten dort erst noch belegen, dass die Talsohle erreicht ist. Mittlerweile mehren sich aber die Zeichen, dass eine Erholung eingesetzt hat.

Die Sorgen der Marktteilnehmer wegen eines Nachfrageeinbruchs sind der Hoffnung auf eine Erholung gewichen. Doch dabei wird der Nachfrageseite zu wenig Beachtung geschenkt. Weil in vielen Ländern Minen und Schmelzen im Zuge der Lockdown-Maßnahmen vorübergehend schließen mussten, wandelten sich Nachfrage- in Angebotssorgen, die wir allerdings für nicht gerechtfertigt halten. Unseres Erachtens leidet die Nachfrage unter dem Coronavirus viel stärker als das Angebot. Dies erkennt man bei vielen Metallen an der Entwicklung von Angebot und Nachfrage schon im ersten Quartal.

Angebotsüberschüsse, wie sie übrigens schon vor der Corona-Krise für die meisten Metallmärkte in diesem Jahr erwartet wurden, lassen sich unserer Meinung nach nicht durch vorübergehende Stilllegungen von Produktionsstätten verhindern. Branchenverbände, Datenanbieter und Produzenten meldeten für fast alle Metallmärkte schon im ersten Quartal teilweise hohe Angebotsüberschüsse. So war z. B. der globale Kupfermarkt mit 188.000 Tonnen überversorgt, am globalen Aluminiummarkt übertraf das Angebot die Nachfrage um stolze 1,7 Millionen Tonnen. Für das Gesamtjahr 2020 werden zumeist noch weit größere Überschüsse erwartet – beim Kupfer knapp 300.000 Tonnen, beim Aluminium 3 bis 5 Millionen Tonnen.

Wir sind angesichts der teilweise noch schlechten Konjunkturdaten und der hohen Überschüsse an den meisten Metallmärkten überrascht von der Robustheit der Metallpreise in den letzten Monaten. Nach unserer Einschätzung müssten die Metallpreise tiefer notieren, wir erwarten einen entsprechenden Rücksetzer. Für Abnehmer würde sich damit eine attraktive Absicherungsmöglichkeit gegen mittel- bis langfristig steigende Preise ergeben. Je besser man die Krise in den Griff bekommt und das Coronavirus eindämmen kann, desto schneller und stärker dürfte es später mit den Metallpreisen weiter nach oben gehen.

Quelle: Commerzbank Research, Stand:30.06.2020

in EUR je Einheit in EUR je Einheit
Edelmetalle Agrarrohstoffe
Gold je Feinunze Höchst
Tiefst
1.613,47
1.225,60
Baumwolle je Pfund Höchst
Tiefst
0,64
0,44
Palladium je Feinunze Höchst
Tiefst
2.610,38
1.263,33
Kakao je Tonne Höchst
Tiefst
2.403,27
1.781,95
Platin je Feinunze Höchst
Tiefst
933,75
553,36
Mais je Tonne Höchst
Tiefst
180,75
155,00
Silber je Feinunze Höchst
Tiefst
17,77
11,04
Raps je Tonne Höchst
Tiefst
421,50
335,50
Weizen je Tonne Höchst
Tiefst
206,25
153,00
Zucker je Pfund Höchst
Tiefst
0,15
0,09
Industriemetalle Energie
Aluminium je Tonne Höchst
Tiefst
1.652,25
1.312,45
Diesel je Tonne Höchst
Tiefst
576,62
164,38
Blei je Tonne Höchst
Tiefst
2.058,20
1.455,56
EUA je Tonne Höchst
Tiefst
30,20
15,30
Eisenerz je Tonne Höchst
Tiefst
110,19
71,09
Erdöl Brent je Barrel Höchst
Tiefst
62,73
17,83
Kupfer je Tonne Höchst
Tiefst
5.632,92
4.301,93
Gasöl je Tonne Höchst
Tiefst
579,16
176,28
Nickel je Tonne Höchst
Tiefst
16.509,93
10.051,16
Kerosin je Tonne Höchst
Tiefst
609,88
115,63
Zink je Tonne Höchst
Tiefst
2.340,49
1.675,89
Kohle je Tonne Höchst
Tiefst
56,12
34,69
Zinn je Tonne Höchst
Tiefst
16.778,14
12.403,50
Strom je MWh Höchst
Tiefst
43,98
15,89

* Quelle: Bloomberg, Periode: 24.06.2019 - 23.06.2020

** Aus Sicht deutscher Unternehmen notieren die aufgeführten Rohstoffe in der Regel in Fremdwährung. Neben Rohstoffpreisrisiken sind somit zusätzlich Währungsrisiken zu berücksichtigen.

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