Commerzbank Rohstoffradar Januar 2021

Quelle: Bloomberg

Ölmarkt: kein Selbstläufer

Eigentlich könnte sich das Produktionskartell aus OPEC-Staaten und weiteren Produzentenländern (OPEC+) zufrieden zurücklehnen: Nach einem historischen Einbruch der globalen Ölnachfrage um fast 9% und Preisen von zwischenzeitlich 20 USD im letzten Jahr ist es der OPEC+ dank beispielloser Produktionskürzungen gelungen, den Preis für ein Barrel Brentöl wieder spürbar über 55 USD zu schieben. Doch die Einbußen im Exportgeschäft, die mit den Produktionskürzungen einhergingen, waren schmerzhaft. Kein Wunder, dass die Einmütigkeit des Kartells zu bröckeln droht.

Bislang hat es die Allianz aber noch immer geschafft, einen Kompromiss zu finden, zuletzt dank hoher Zugeständnisse Saudi-Arabiens. Doch die Feinsteuerung des Angebots bleibt eine Herausforderung. Angesichts der hohen Covid-19-Infektionszahlen in Europa und in den USA wird unseres Erachtens ein Preisrückschlag in der ersten Jahreshälfte nicht ausbleiben. Schließlich droht die Ölnachfrage infolge anhaltender Mobilitätseinschränkungen in den Industrieländern im ersten Quartal abermals zu enttäuschen. Eine signifikante Entlastung durch Impfung und Saisonalität ist erst im zweiten Halbjahr dieses Jahres zu erwarten. Bislang stand dieser Schwäche eine ausgesprochen robuste Nachfrage Chinas gegenüber, aber auch dort dürfte die Dynamik eher nachlassen.

Der weiterhin schwächelnden Nachfrage steht zunächst ein deutlich reduziertes Ölangebot gegenüber. Kurzfristig bleibt es wegen der zusätzlichen Kürzungen Saudi-Arabiens auf einem Stand von rund 8 Mio. Barrel pro Tag und damit niedriger als vor der Krise. Hinzu kommt eine reduzierte US-Produktion. Sie dürfte zwar bereits im letzten Mai ihr „absolutes“ Tief bei 10 Mio. Barrel pro Tag erreicht haben, als die Produktion aus Angst vor überlaufenden Vorräten rasch gedrosselt wurde. Ihren zyklischen Tiefpunkt wird die US-Produktion vermutlich erst im Frühjahr 2021 bei knapp 11 Mio. Barrel pro Tag erreichen. Das wären rund 2 Mio. Barrel pro Tag weniger als im Hoch Ende Dezember 2019.

Dank der zusätzlichen Kürzungen Saudi-Arabiens dürfte der Ölmarkt im ersten Quartal leicht unterversorgt sein. Auf den ersten Blick ist das eine aus Preissicht konstruktive Situation. Die OPEC+ dürfte aber ihr Ölangebot ab April merklich ausweiten, weil Saudi-Arabien seine freiwillige Produktionskürzung dann wieder rückgängig machen wird und die aufgeschobenen Produktionserhöhungen von Februar und März nachgeholt werden. Es droht daher im zweiten Quartal ein Überangebot, wenn die Nachfrage nicht schnell genug anzieht. Dabei hatte es sich die OPEC+ eigentlich zur Aufgabe gemacht, Lagerbestände abzubauen.

Vor diesem Hintergrund könnte der Preis für Brentöl im ersten Halbjahr noch einmal unter Druck geraten und spürbar unter 50 USD je Barrel rutschen. Das würde auch den Dieselpreis belasten, selbst wenn dieser von der jüngsten Preisrallye nur unterdurchschnittlich profitiert hat und der Crack-Spread nicht die saisonübliche Stärke zeigt, weil die Nachfrageschwäche nach Kerosin dem gesamten Produktsegment Mitteldestillate zusetzt. Der Preis für eine Tonne Diesel dürfte folglich im Frühjahr nochmals auf 420 USD sinken, bevor er dank einer Erholung des Rohölpreises und der Margen in der zweiten Jahreshälfte Richtung 500 USD klettert.


Quelle: Commerzbank Research, Stand:12.01.2021

in EUR je Einheit in EUR je Einheit
Edelmetalle Agrarrohstoffe
Gold je Feinunze Höchst
Tiefst
1.736,99
1.353,03
Baumwolle je Pfund Höchst
Tiefst
0,64
0,44
Palladium je Feinunze Höchst
Tiefst
2.610,38
1.434,92
Kakao je Tonne Höchst
Tiefst
2.392,33
1.605,39
Platin je Feinunze Höchst
Tiefst
933,75
553,36
Mais je Tonne Höchst
Tiefst
219,00
159,00
Silber je Feinunze Höchst
Tiefst
24,78
11,04
Raps je Tonne Höchst
Tiefst
421,50
335,50
Weizen je Tonne Höchst
Tiefst
213,25
170,00
Zucker je Pfund Höchst
Tiefst
0,15
0,09
Industriemetalle Energie
Aluminium je Tonne Höchst
Tiefst
1.705,98
1.312,45
Diesel je Tonne Höchst
Tiefst
560,83
164,38
Blei je Tonne Höchst
Tiefst
1.819,23
1.455,56
EUA je Tonne Höchst
Tiefst
33,44
15,71
Eisenerz je Tonne Höchst
Tiefst
130,88
71,09
Erdöl Brent je Barrel Höchst
Tiefst
61,55
17,83
Kupfer je Tonne Höchst
Tiefst
6.512,01
4.301,93
Gasöl je Tonne Höchst
Tiefst
559,88
176,28
Nickel je Tonne Höchst
Tiefst
14.426,51
10.051,16
Kerosin je Tonne Höchst
Tiefst
596,44
115,63
Zink je Tonne Höchst
Tiefst
2.350,98
1.675,89
Kohle je Tonne Höchst
Tiefst
58,70
34,69
Zinn je Tonne Höchst
Tiefst
16.838,75
12.403,50
Strom je MWh Höchst
Tiefst
54,88
15,89

* Quelle: Bloomberg, Periode: 01.01.2020 - 31.12.2020

** Aus Sicht deutscher Unternehmen notieren die aufgeführten Rohstoffe in der Regel in Fremdwährung. Neben Rohstoffpreisrisiken sind somit zusätzlich Währungsrisiken zu berücksichtigen.

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