Commerzbank Rohstoffradar Oktober 2020

Quelle: Bloomberg

Aluminium im Überfluß

Losgelöst von den Fundamentaldaten ist der Aluminiumpreis ebenso wie die anderen Metallpreise in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Mit über 1.800 US-Dollar je Tonne erreichte er zwischenzeitlich das höchste Niveau seit siebeneinhalb Monaten, seit seinem Tief im April zog er zeitweise um 24% an. Trotzdem bleibt Aluminium damit immer noch hinter der Preisentwicklung von z. B. Kupfer und Nickel zurück.

Anders als bei den übrigen Metallen wirkte sich das Coronavirus nicht negativ auf die globale Aluminiumproduktion aus – im Gegenteil, wie die Daten des International Aluminium Institutes zeigen. Demnach übertraf diese vor allem dank der Entwicklung in China in den ersten sieben Monaten des Jahres mit 37,5 Mio. Tonnen den Vorjahreswert um 1,2% . Damit ist die Aluminiumproduktion auf dem besten Weg, das Rekordhoch aus dem Jahr 2018 zu übertreffen.

Die seit Mai deutlich gestiegenen Aluminiumpreise haben die Produktion natürlich attraktiver gemacht. Dies gilt insbesondere für China: Dort notiert der meistgehandelte Aluminiumkontrakt seit mittlerweile zwei Monaten über der durchschnittlichen Gewinnschwelle der chinesischen Schmelzen. Ursprünglich wegen niedriger Preise angekündigte Produktionskürzungen wird es nun wohl nicht geben, zumal chinesische Schmelzen staatlich subventioniert werden. Stattdessen nahmen in China sogar neue Schmelzen den Betrieb auf. Laut dem staatlichen Research-Institut Antaike kamen im ersten Halbjahr Produktionskapazitäten von rund 680 Tsd. Tonnen p. a. neu an den Markt. Mehr als 1 Mio. weitere Tonnen p. a. sollen bis Jahresende folgen.

Marktbilanzdaten verschiedener Anbieter zeigen allerdings, dass so viel Aluminium gar nicht benötigt wird. Das World Bureau of Metal Statistics beziffert den Überschuss im ersten Halbjahr auf 1,34 Mio. Tonnen, ein großer Produzent aus Russland sogar auf 1,8 Mio. Tonnen. Im Gesamtjahr dürfte der Angebotsüberhang noch viel höher ausfallen: Der russische Produzent schätzt ihn auf 2,5 Mio. Tonnen. Andere Marktteilnehmer bzw. -beobachter gehen in ihren Prognosen sogar noch darüber hinaus.

Zu diesem hohen Überschuss kommt es, weil die Produktionsausweitung auf eine schwache Nachfrage trifft. Im Gegensatz zur Produktion hat das Coronavirus die Nachfrage hart getroffen. Vor allem der Transportsektor, der mit knapp 30% den höchsten Anteil an der Nachfrage stellt und Treiber der Aluminiumnachfrage war, leidet massiv. Die Verpackungsindustrie profitiert zwar leicht von der aktuellen Lage, doch ist ihr Anteil mit rund 12% relativ gering. Marktbeobachter erwarten daher, dass die globale Aluminiumnachfrage in diesem Jahr um bis zu 9% fällt. Sie dürfte sich erst mittelfristig wieder beleben. Bis sich der Markt vollständig erholt hat, könnten aber Jahre vergehen.

Vor diesem Hintergrund halten wir es für nicht gerechtfertigt, dass der Aluminiumpreis trotz des Überangebots auf ein Mehrmonatshoch gestiegen ist. Das gute Finanzmarktumfeld und der schwächere US-Dollar stützen jedoch den Preis und überlagern die verhaltenen Fundamentaldaten. Daher erwarten wir keine spürbare Korrektur.

Quelle: Commerzbank Research, Stand:19.09.2020

in EUR je Einheit in EUR je Einheit
Edelmetalle Agrarrohstoffe
Gold je Feinunze Höchst
Tiefst
1.736,99
1.318,83
Baumwolle je Pfund Höchst
Tiefst
0,64
0,44
Palladium je Feinunze Höchst
Tiefst
2.610,38
1.434,92
Kakao je Tonne Höchst
Tiefst
2.403,27
1.605,39
Platin je Feinunze Höchst
Tiefst
933,75
553,36
Mais je Tonne Höchst
Tiefst
182,00
155,00
Silber je Feinunze Höchst
Tiefst
24,78
11,04
Raps je Tonne Höchst
Tiefst
421,50
335,50
Weizen je Tonne Höchst
Tiefst
206,25
170,00
Zucker je Pfund Höchst
Tiefst
0,15
0,09
Industriemetalle Energie
Aluminium je Tonne Höchst
Tiefst
1.652,25
1.312,45
Diesel je Tonne Höchst
Tiefst
576,62
164,38
Blei je Tonne Höchst
Tiefst
2.058,20
1.455,56
EUA je Tonne Höchst
Tiefst
30,47
15,30
Eisenerz je Tonne Höchst
Tiefst
108,83
71,09
Erdöl Brent je Barrel Höchst
Tiefst
62,73
17,83
Kupfer je Tonne Höchst
Tiefst
5.788,18
4.301,93
Gasöl je Tonne Höchst
Tiefst
579,16
176,28
Nickel je Tonne Höchst
Tiefst
16.301,89
10.051,16
Kerosin je Tonne Höchst
Tiefst
609,88
115,63
Zink je Tonne Höchst
Tiefst
2.334,62
1.675,89
Kohle je Tonne Höchst
Tiefst
56,12
34,69
Zinn je Tonne Höchst
Tiefst
16.064,60
12.403,50
Strom je MWh Höchst
Tiefst
43,98
15,89

* Quelle: Bloomberg, Periode: 16.09.2019 - 15.09.2020

** Aus Sicht deutscher Unternehmen notieren die aufgeführten Rohstoffe in der Regel in Fremdwährung. Neben Rohstoffpreisrisiken sind somit zusätzlich Währungsrisiken zu berücksichtigen.

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