Commerzbank Rohstoffradar Januar 2022

Rohstoffradar im Überblick

Quelle: Bloomberg

EU-Emissionshandel: 2022 - immer wieder neue Rekorde?

2021 war ein weiteres Jahr mit neuen Rekordpreisen im EU-Emissionshandel. Mit 90 Euro kostete das Recht zur Emission einer Tonne CO2 Mitte Dezember 2021 fast dreimal so viel wie zu Jahresbeginn! Seit 2017 bewegen sich die Preise nun im Aufwärtstrend. Als Triebfeder wirkt schon länger die ambitionierte Klimapolitik in der EU, die Mitte des Jahres im Klimapaket „Fit for 55“ mündete. Hinzu kam im letzten Jahr zum einen der Rückenwind von der wieder anspringenden EU-Konjunktur: Mit einem Zuwachs von 20 Prozent in den ersten drei Quartalen verbuchte die Stahlindustrie innerhalb der im EU-ETS erfassten Branchen das stärkste Produktionsplus. Zum anderen gaben die explodierenden Gaspreise zusätzlichen Auftrieb, indem sie der emissionsintensiven Kohle zu einer kleinen Renaissance verhalfen. Wie hoch kann dieser Aufwind tragen?

Zweifellos wird die EU-Kommission ihren Kurs der ambitionierten Klimapolitik fortsetzen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre muss das Klimapaket „Fit for 55“ in konkrete Gesetzesvorschläge gegossen werden. Dabei sind sowohl der EU-Rat, also die Vertretung der Mitgliedsländer, als auch das EU-Parlament einzubeziehen. Hier erscheint die Festlegung auf eine Absenkung der Obergrenze der Emissionen bis 2030 um 61 Prozent gegenüber 2005 (bislang 43 Prozent) als eine eher einfache Aufgabe. Größere Herausforderungen sind wohl die Einbeziehung neuer Sektoren und die Einführung des Grenzausgleichsmechanismus (CBAM).

CO2-Preis in EUR je Tonne

Auf politischer Seite ist also einiges zu tun, während auf der konjunkturellen Seite der Aufwind im EU-Emissionshandel abflauen dürfte. Die Entwicklung der Gaspreise könnte sogar zu Gegenwind führen, wenn die Preise in diesem Jahr wieder nachgeben sollten. Aufgrund der inzwischen stark gestiegenen CO2-Preise würde dann Steinkohle als Energieträger in der Stromerzeugung schnell an Attraktivität verlieren. Zudem ist zu erwarten, dass die Anzahl der insgesamt im Umlauf befindlichen Zertifikate (TNACs) aufgrund der Knappheit an Emissionsrechten (hohe Nachfrage bei weiterhin reduziertem Auktionsangebot) per Jahresende 2021 gesunken ist. Entsprechend weniger Zertifikate werden ab September 2022 in die Marktstabilitätsreserve (MSR) zu überführen sein, sodass die Auktionsvolumina sogar wieder steigen könnten.

Interessant wird auch sein, wie sich Investoren verhalten. Gemessen an den Netto-Long-Positionen haben sich die Investmentfonds auf der optimistischen Seite positioniert. Schon im Herbst waren angesichts des Preisanstiegs kritische Stimmen laut geworden. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsicht (ESMA) hatte aber fürs Erste keine Hinweise auf eine Marktmanipulation entdeckt. Im Frühjahr soll ein weiterer Bericht folgen, der vor dem Hintergrund der jüngsten Preisrallye mit Spannung erwartet wird.

Wir gehen davon aus, dass die Preise angesichts der (kurzzeitigen) Belastungsfaktoren überhöht sind, auch wenn die Weichen mittelfristig weiter auf Verknappung stehen. Für 2022 rechnen wir deshalb mit einer Korrektur und einer anschließenden Verschnaufpause im EU-Emissionshandel: In der zweiten Jahreshälfte 2022 dürfte sich der Preis bei 75 Euro je Tonne einpendeln, bevor er mittelfristig wieder steigt.

Quelle: Commerzbank Research 06.01.2022

Jahreshöchst- und tiefstpreise im Überblick

in EUR je Einheit in EUR je Einheit
Edelmetalle Agrarrohstoffe
Gold je Feinunze Höchst
Tiefst
1.649,86
1.415,30
Baumwolle je Pfund Höchst
Tiefst
1,03
0,64
Palladium je Feinunze Höchst
Tiefst
2.483,71
1.422,35
Kaffee je Pfund Höchst
Tiefst
2,22
0,98
Platin je Feinunze Höchst
Tiefst
1.076,02
780,06
Kakao je Tonne Höchst
Tiefst
2.205,52
1.852,86
Silber je Feinunze Höchst
Tiefst
24,07
18,56
Mais je Tonne Höchst
Tiefst
320,00
200,00
Weizen je Tonne Höchst
Tiefst
311,50
197,25
Zucker je Pfund Höchst
Tiefst
0,18
0,12
Industriemetalle Energie
Aluminium je Tonne Höchst
Tiefst
2.715,74
1.617,69
Diesel je Tonne Höchst
Tiefst
642,75
338,77
Blei je Tonne Höchst
Tiefst
2.131,81
1.588,01
EUA je Tonne Höchst
Tiefst
89,41
31,84
Eisenerz je Tonne Höchst
Tiefst
188,41
75,85
Erdöl Brent je Barrel Höchst
Tiefst
74,57
41,70
Kupfer je Tonne Höchst
Tiefst
9.722,51
6.401,70
Gasöl je Tonne Höchst
Tiefst
644,03
342,57
Nickel je Tonne Höchst
Tiefst
18.788,85
13.291,15
Kerosin je Tonne Höchst
Tiefst
671,01
351,43
Zink je Tonne Höchst
Tiefst
3.317,38
2.107,24
Kohle je Tonne Höchst
Tiefst
236,54
52,24
Zinn je Tonne Höchst
Tiefst
36.725,62
17.177,61
Strom je MWh Höchst
Tiefst
269,64
42,35

Quelle: Bloomberg, Periode: 01.01.2021 - 31.12.2021

Aus Sicht deutscher Unternehmen notieren die aufgeführten Rohstoffe in der Regel in Fremdwährung. Neben Rohstoffpreisrisiken sind somit zusätzlich Währungsrisiken zu berücksichtigen.

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