Neue Anlagestudie: Mittelstand hortet viel Geld

03. März 2014: Wie Unternehmen auf die andauernde Niedrigzinsphase reagieren und warum kurzfristige Papiere nicht die einzige Lösung sind, lesen Sie hier.

Sicherheit bleibt wichtigstes Kriterium

Wie Unternehmen auf die seit Jahren andauernde Niedrigzinsphase reagieren, zeigt eine neue Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Bielefeld, die im Auftrag der Commerzbank erstellt worden ist. Fazit: Der Mittelstand würde viel Geld anlegen, wenn er mit sicheren Anlagen knapp zwei Prozent Rendite erzielen könnte – im aktuellen Zinsumfeld allerdings kurzfristig kaum darstellbar.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland hat sich der Finanzanlagebedarf mittelständischer Unternehmen deutlich erhöht. Rund 60 Prozent der von der Fachhochschule des Mittelstands befragten Unternehmen meldeten 2013 einen gestiegenen Bedarf an Finanzanlagen. Im Mittel wollten sie rund 3,1 Mio. Euro anlegen. Damit hat sich das durchschnittliche Anlagevolumen binnen anderthalb Jahren nahezu verdreifacht. Aufgrund der unverändert empfundenen Unsicherheit in der wirtschaftlichen Entwicklung „horten“ mittelständische Unternehmen lieber Geld in Form von Sicht- und Termingeldern – statt Realinvestitionen vorzunehmen.

Die im Auftrag der Commerzbank erstellte Studie mit dem Titel „Finanzanlageverhalten und Finanzanlagebedürfnis mittelständischer Unternehmen“ legt offen, dass der Anlagebedarf der Unternehmen maßgeblich von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängt. Im Fokus stehen nicht nur kurzfristige Vorhaben, vielmehr nennen 15 Prozent der mittelständischen Unternehmen einen Anlagehorizont von mehr als einem Jahr, 8 Prozent sogar von mehr als fünf Jahren.

Auf einer Rangskala von 1 (sehr wichtig) bis 6 (unwichtig) steht die Sicherheit der Anlageform für die Unternehmen eindeutig an erster Stelle. Das gilt sowohl für die Sicherheit durch den Emittenten mit der Note 1,34 als auch durch den Staat mit der Note 1,50. Darauf folgt mit einer Note von 1,59 – und das ist neu – noch vor der Verzinsung der Anlage der Wunsch nach geringen Kosten. Hier setzt sich die Erkenntnis durch, dass bei dem derzeitigen Zinsniveau für eine auskömmliche Rendite ebenfalls die Kosten zu berücksichtigen sind.

Für ihr angelegtes Geld erwarten die Unternehmen im Durchschnitt eine Mindestverzinsung von 1,8 Prozent. Im Vergleich zu den Studien zuvor ist die Renditeerwartung damit deutlich gesunken. Der Mittelstand reagiert also auf das niedrige Zinsniveau – allerdings mit deutlicher Verzögerung. Im Vergleich zum aktuellen Zinsniveau zeigt sich jedoch, dass die Zinserwartungen höher sind als die erzielbaren Zinsen, die mit den bevorzugten geldmarktnahen Anlageformen erzielt werden können. So bilden die am häufigsten genannten Anlageinstrumente mit 97 Prozent Sichteinlagen beziehungsweise laufende Konten, mit 87 Prozent Festgelder und mit 15 Prozent Geldmarktfonds.

Zwei Drittel der Befragten glauben, dass der Euro als Zahlungsmittel auf unbestimmte Zeit Bestand haben wird. Der für die Studie verantwortliche Leiter der FHM, Prof. Dr. Volker Wittberg: „Dass der Großteil der Unternehmen den Euro als stabil einschätzt, war in dieser Form nicht abzusehen. Jedoch ist das Thema ‚Eurorettung‘ in den vergangenen Monaten auch nicht mehr so präsent in den Medien.“ Hinzu komme, dass es für einige Unternehmen schlicht nicht mehr vorstellbar ist, ohne eine einheitliche Währung in Europa arbeiten zu können.