Bank Payment Obligation - BPO

Sind Sie bereit für die BPO? Wir sind es!

Die Bank Payment Obligation (BPO) ist ein wichtiger Meilenstein hin zur Digitalisierung des Trade Finance Geschäftes. Mit der Veröffentlichung des neuen, bedeutenden Whitepapers „Leading the path of digital evolution“ beantwortet Angela Koll, Vice President Specialist Product Management, Supply Chain Finance & Innovation bei der Commerzbank, die zentralen Fragen.

Q: Warum haben Sie dieses Whitepaper veröffentlicht?

AK: Das Whitepaper beschreibt nicht nur die Funktionsweise der BPO und die verschiedenen damit verbundenen Vorteile für Unternehmen, sondern legt auch dar, dass eine zunehmende Etablierung dieses Instrumentes am Markt die Digitalisierung des Handels vorantreiben könnte. Vor allem soll das Dokument unseren fortlaufenden Appell an die Trade-Finance-Industrie unterstützen, das Instrument ins Produktportfolio zu übernehmen und aktiv anzubieten, um den Bedarf unserer Firmenkunden nach schnelleren, transparenter gestalteten und digitalen Prozessabläufen zu decken.

Q: Können derzeit also nicht viele Banken BPO-Transaktionen anbieten?

AK: Die Commerzbank kann es jedenfalls und ist seit 2014 dazu in der Lage! Das Volumen der BPO-Transaktionen nimmt bei Importeuren wie bei Exporteuren stetig zu. Mit wachsendem Interesse sowie steigender Nutzungsbereitschaft und Nachfrage aufseiten der Firmen wird auch die Anzahl der Banken zunehmen, die sich im BPO-Geschäft engagieren wollen.

Die Marktakzeptanz ist jedoch weiterhin schleppend – nicht zuletzt, weil zusätzliche Anstrengungen, die Vision der Evolution und die entsprechende Kommunikation bzw. entsprechendes Marketing dafür erforderlich sind. Die BPO muss den sogenannten Tipping Point erreichen, an dem sich Investitionen und die steigende Nachfrage nach Innovationen decken. Bis dahin stellt der weltweite Mangel an BPO-aktiven Banken einen Engpass für weiteres Wachstum dar.

Q: Was tun Sie zur Stärkung der Marktakzeptanz?

AK: Die Förderung der Bekanntheit und Attraktivität der BPO bei den Firmen ist ein entscheidender Faktor. Deshalb haben wir bei der Commerzbank große Anstrengungen unternommen, um die Wahrnehmung dieses Instrumentes und seiner Vorteile zu stärken — das Whitepaper ist lediglich der jüngste Schritt in diese Richtung. Nur bei entsprechender Nachfrage aufseiten der Unternehmen wird die Aufmerksamkeit der Banken geweckt und kann eine „kritische Masse“ bei den im BPO-Geschäft tätigen Instituten erreicht werden.

Q: Warum sollten Unternehmen die BPO in Betracht ziehen? Welche Gründe sind die wichtigsten?

AK:

Der Käufer profitiert von:

  • einer gewissen Sicherheit, dass die Waren erwartungsgemäß eintreffen;
  • einem Angebot an flexiblen Finanzierungsmöglichkeiten für seine Lieferanten an verschiedenen Punkten der Lieferkette;
  • einer Nutzung von vorteilhaften Zahlungskonditionen und
  • dem frühzeitigen Empfang der Dokumente direkt vom Lieferanten, wodurch Lagerkosten am Entladehafen vermieden werden können.

Der Verkäufer profitiert von:

  • der vollen Zahlungssicherheit von Geschäftsbeginn an, mit garantiertem Zahlungsdatum;
  • flexiblen Finanzierungsmöglichkeiten an verschiedenen Punkten der Lieferkette und
  • niedrigeren implizierten Finanzierungskosten gegenüber anderen Finanzierungskonstrukten.

Beide Unternehmen profitieren von:

  • einer schnellen, automatisierten, beleglosen und nahtlosen Transaktionsabwicklung;
  • der Risikoabsicherung und Finanzierung für Geschäfte gegen offene Rechnung;
  • mehr Flexibilität bei Zahlungskonditionen und BPO-Änderungen;
  • mehr Transparenz bei der Handelstransaktion;
  • einem effizienteren Working Capital Cycle;
  • der Reduzierung komplexer und papierhafter Prozesse und
  • verbesserten langfristigen Handelsbeziehungen.

Q: Was bedeutet die BPO für Supply Chain Finance?

AK: Die BPO kann geeignete Rahmenbedingungen für Supply Chain Finance schaffen zur Optimierung der Liquidität und des Working Capitals bei gleichzeitiger Minimierung des Zahlungsrisikos. Die Unwiderruflichkeit der BPO und ein festgelegtes Fälligkeitsdatum ermöglichen Supply Chain Finance sowohl vor als auch nach Warenversand. Das erfolgreiche Matching der Daten innerhalb der physischen Lieferkette bietet Lösungen entlang der finanziellen Lieferkette und gestattet somit eine Konvergenz beider Lieferketten in einer digitalen Umgebung.

Q: Derzeit reden alle über die Blockchain — wie passt die BPO dazu?

AK: Die Blockchain hat das Potenzial, einen Wandel im Trade-Finance-Umfeld zu erreichen, und wird auch künftig den Abgleich von BPO-Daten in einem modernen digitalen Netzwerk ermöglichen. Da die Kommerzialisierung von Blockchain-Lösungen sich über einige Jahre hinziehen wird, ist es für die Banken von Vorteil, wenn nicht sogar notwendig, das BPO-Geschäft parallel auszubauen. Für ein Verständnis von datenintensiven Blockchain-Prozessen ist es sehr vorteilhaft, sich bereits jetzt mit der Datenverarbeitung und dem Datenabgleich bei der BPO-Abwicklung vertraut zu machen.

Schließlich hat der Übergang von papierhaften zu datenbasierten Prozessen erst begonnen; für eine effiziente Digitalisierung sollten Banken bereits am Markt eingeführte und erprobte Instrumente – wie die BPO – nutzen, die die Abwicklung von Handelsgeschäften insgesamt verbessern können. Dies ist der Grund, warum die BPO einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung des Trade Finance Geschäftes darstellt.

Q: Wie sehen Sie die Zukunft der BPO?

AK: Erfreulicherweise gibt es bereits Bestrebungen, den zugrunde liegenden Rahmen der BPO für DLT-Systeme anzuwenden. Damit soll der Übergang zu künftigen Technologien erleichtert werden, die sich unabhängig von der SWIFT-TSU-Plattform entwickeln, stattdessen Smart Contracts nutzen und Bedingungen definieren, die bei Erfüllung eine Zahlungsverpflichtung in Kraft setzen.

Weiterhin führen Software-Entwicklungen für Frontend-Lösungen dazu, dass zukünftig Unternehmen ihre Handelsdaten direkt eingeben und in die TSU-Plattform zum automatischen Abgleich hochladen können. Hiermit wird eine durchgängige digitale Kommunikation ermöglicht, außerdem werden Zeit- und Ressourcenersparnisse durch den Wegfall manueller Erfassungen erreicht.

Eine weitere spannende Überlegung ist, den Datenabgleich der BPO mit der Ausstellung und Bereitstellung eines elektronischen Konnossements zu kombinieren (eB/L). Damit würde die Authentifizierung und digitale Bearbeitung der Handels-daten ver¬bes¬sert werden. Die gleichen Daten, die der Erstellung eines eB/L dienen, wären auch für den BPO-Datenabgleich nutzbar und nach erfolgreichem Datenabgleich bekäme der Käufer auf einer parallelen Plattform das eB/L als Original unverzüglich zur Verfügung gestellt.

Veröffentlichung durch SWIFT genehmigt. „Leading the path of digital evolution“ enthält Erkenntnisse der ICC Banking Commission, von JP Morgan Chase und OPUS Advisory Services International.