Mittelstand: Nachholbedarf im Ausland

Die Commerzbank hat in einem Bericht untersucht, welche Anreize und Hürden es für deutsche Unternehmen im Ausland gibt und wie internationale Expansion gelingen kann - ein Gespräch mit Siegfried Stangohr, Leiter Firmenkunden Stuttgart.

Herr Stangohr, wie international ist der deutsche Mittelstand?

Gemessen an der Bedeutung, die mittelständische Unternehmen für die deutsche Wirtschaft haben, noch nicht international genug. Der deutsche Mittelstand ist zwar deutlich exportorientierter als noch vor 10 Jahren, aber das internationale Geschäft wird noch immer von Großunternehmen dominiert – man denke hier nur an die Autoindustrie.

Damit vergeben sich mittelständische Firmen nicht nur eventuelle Chancen – der gänzliche Verzicht auf das internationale Geschäft kann angesichts der fortschreitenden Globalisierung das Wachstum oder sogar die Existenz eines Unternehmens gefährden. Neben Chancen gibt es aber natürlich auch Risiken, diese sollten sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Wo sehen Sie Chancen, wo Risiken?

Durch einen Ausbau des Auslandsgeschäft kann das Unternehmen sich neue Märkte erschließen, wenn beispielsweise der interne Markt gesättigt ist oder neue Wettbewerber auf den Markt drängen. Die Präsenz im Ausland macht zudem Sinn, wenn Zulieferer in den Ländern ihrer Abnehmer präsent sind und dort Produktionsstätten aufbauen. Klar ist aber auch, dass ein Auslandsengagement zunächst aufwendig ist, es erfordert ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen. Auch fehlende Marktkenntnis oder ein Engagement in Ländern mit instabilen politischen, rechtlichen oder ökonomischen Rahmenbedingungen können den Gang ins Ausland zum Risiko machen.

Welche Länder und Regionen können Sie empfehlen - angesichts der aktuellen Entwicklungen werden ja auch Märkte wie USA oder China zunehmend unattraktiver?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Die Entwicklung in USA und China haben sicherlich Auswirkungen auf deutsche Unternehmen, in welchem Ausmaß bleibt abzuwarten. Wir beobachten aber auch, dass sich deutsche Firmen neue Absatzmärkte abseits der klassischen Handelsrouten erschließen – zum Beispiel in Südkorea oder Vietnam. Der Euroraum spielt allerdings sowohl im Exportgeschäft als auch bei Direktinvestition und als Produktionsstandort immer noch eine bedeutende Rolle für viele mittelständische Unternehmen. Aufgrund der gut kalkulierbaren Markteintrittsbedingungen wie Währung, EU-Rechtsrahmen, kulturelle und räumliche Nähe sind die europäischen Länder ein guter Ausgangspunkt für eine Internationalisierungsstrategie. Ohne eine solche geht es in den wenigsten Fällen.

Wie kann die Commerzbank beim Gang ins Ausland unterstützen?

Wir begleiten deutsche Unternehmen seit über 140 Jahren in die ganze Welt und wickeln heute rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels ab. Wir haben Repräsentanzen und Niederlassungen in 50 Ländern und ein Leistungsspektrum, das es uns ermöglicht fast jedes finanzielle Bedürfnis unserer Kunden abzudecken - sei es die Handelsfinanzierung, Corporate Finance oder Kapitalmarkttransaktionen. Das ist für viele Kunden ein echter Mehrwert.