Warum auch Mittelständler Mergers & Acquisitions-Deals planen sollten

M&A-Transaktionen spielen auch bei Mittelständlern eine wichtige Rolle

Bei Mergers & Acquisitions (M&A) geht es nicht immer um Megafusionen von Großunternehmen. Auch für Mittelständler spielen solche Transaktionen eine wichtige Rolle. „Deutsche Mittelstandsunternehmen sind zwar zurückhaltender als Großkonzerne: Die vergangenen Jahre und Jahrzehnte zeigen aber, dass man sich der steigenden Relevanz von M&A-Deals deutlich bewusst ist“, sagt Dr. Christoph Thierolf, Head of M&A. Der Mittelstand zeige mehr Mut, wohl wissend, dass durch Fusionen, Übernahmen oder Zukäufe ein stärkeres Auftreten im sich ständig verändernden Markt gelingen kann.

Auch bei der Absicherung der Unternehmensnachfolge erweisen sich M&A-Deals häufig als Schlüssel zum weiteren Erfolg. So kann sich unter anderem eine Konsolidierung durch einen Komplett- oder Teilverkauf als Stabilitätsanker im Unternehmenszyklus herausstellen.

Für welche Unternehmen sind M&A-Projekte empfehlenswert?

Bevor ein Deal überhaupt in Angriff genommen wird, gilt es, eine zentrale Frage zu klären: Für welche Firmen bietet sich eine professionelle M&A-Beratung an? Sie kommt infrage für:

  • Unternehmen, die eine Nachfolgeregelung finden wollen oder müssen und hierfür einen externen strategischen oder finanziellen Investor suchen – beispielsweise zusammen mit einem Management-Buy-out (MBO) oder Management-Buy-in (MBI)
  • Unternehmer, die an eine Veräußerung ihres Betriebs oder einzelner Unternehmensbereiche denken
  • Schnell wachsende Unternehmen, die Eigenkapital benötigen und eine Minder- oder Mehrheitsbeteiligung nutzen wollen
  • Expandierende Unternehmen, die ihre Produktpalette diversifizieren, zusätzliches Know-how erschließen und/oder ins Ausland expandieren wollen. Gründe dafür können sein:
    • Veränderungsdruck aufgrund struktureller Umbrüche, beispielsweise in der Automobilindustrie, der Textil- und Einzelhandelsbranche oder in der Nahrungsmittelindustrie
    • Umweltpolitische Auflagen (CO2-Einsparungen)
    • Herausforderungen durch die Digitalisierung, die einen Partner erfordern und durch Investoren oder einen Unternehmenszukauf aufgefangen werden können.

„Reserven“ für Investitionen sind vorhanden

Auch wenn die internationalen Finanz- und Handelsmärkte durch geopolitische Veränderungen, Krisen wie die Corona-Pandemie oder drohende Handelskriege verstärkt zur Volatilität neigen: Experten bestätigen, dass es für aussichtsreiche Investments unverändert viel Liquidität – vor allem bei Finanzinvestoren – mit hohem Anlagedruck im Markt gibt. „Die Mittel sind vorhanden“, sagt Thierolf. „Oft bringen Krisen sogar frische Impulse und Möglichkeiten, da sich der Fokus in solchen Zeiten stärker auf Deals mit geringerem Risikopotenzial – also mittelständische Optionen – richtet.“ Verändern wird sich nach Einschätzung des M&A-Heads vor allem die Ausrichtung der Investoren: „Sie suchen nach Deals mit hohem Wachstumspotenzial, z. B. Investitionen mit Umwelt- und Klimabezug oder zur Förderung der Digitalisierung.“

M&A als Stabilisator für Unternehmen in finanziell angespannter Situation

Weltweit hat die Wirtschaft seit Frühjahr 2020 unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie gelitten. Unternehmen mussten ihre Geschäftstätigkeit erheblich einschränken bzw. anpassen: Aufträge brachen weg, Lieferketten wurden gestört, Arbeitnehmer entlassen oder in Kurzarbeit geschickt, Konsumausgaben wurden drastisch reduziert. Bevor eine angespannte Finanzlage ein Unternehmen in die „Bredouille“ bringt, bietet sich zur Abwehr einer drohenden Insolvenz fachkundige Beratung über M&A-Optionen an.

Auch ein Blick zurück in die deutsche Wirtschaftsgeschichte verdeutlicht: Das Platzen der Dotcom-Blase zu Beginn der 2000er Jahre oder die 2008 einsetzende Finanzkrise veränderten etliche Branchen – und teils neu formierte starke Player, beispielsweise im Finanzwesen und in der Schifffahrt, gingen als Gewinner daraus hervor. Wem es in solchen Phasen gelingt, Profil zu zeigen, der kann bei Investoren, aber auch bei Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern ein wichtiges positives Signal setzen.

Wie M&A-Transaktionen einen Mehrwert für Ihr Unternehmen bzw. die Gesellschafter schaffen

Die Erfahrungen der Commerzbank als langjähriger und kompetenter M&A-Partner für Mittelständler zeigen, dass Fusionen und Übernahmen einen Mehrwert schaffen können. Hierfür müssen Firmeninhaber, Vorstände oder Geschäftsführer ihre Strategien überdenken, Ziele und Potenziale neu definieren und ihre bisherige Geschäftsentwicklung kritisch überprüfen. Weiterhin ist bei Veränderungen im Gesellschafterkreis eine professionelle Begleitung essenziell.

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Was das im Einzelnen bedeutet und welche Konsequenzen eine M&A-Entscheidung hat, erläutert der Head of M&A, Christoph Thierolf, im Folgenden:

Interview mit Dr. Christoph Thierolf, Head of M&A

Dr. Thierolf, wie wichtig sind M&A-Strategien für den deutschen Mittelstand, um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten?

Sie sind tatsächlich substanziell, also unabdingbar. Ganz egal, welches Ziel ein mittelständisches Unternehmen vor Augen hat – ob Wachstum oder strategische Veränderung –, M&A-Transaktionen sind eine relevante Maßnahme. Eine, die auch für kleinere und mittlere Unternehmen immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Mit welchen Fragen können Mittelständler herausfinden, ob und wie sie einen Transaktionsweg einschlagen sollen?

Zuallererst muss sich die Unternehmensleitung fragen: Was ist der Grund für unser M&A-Vorhaben? Was wollen wir ändern, wo wollen wir hin? Das klingt recht banal, tatsächlich sind die Antworten aber entscheidend. Auch eine kritische Evaluation der eigenen Stärken und Schwächen hilft: Unternehmen sollten wissen, wo ihre Lücken sind und wie sie gefüllt werden können.

Für viele mittelständische Unternehmen ist es, lapidar gesagt, manchmal schlichtweg Zeit dafür, den M&A-Weg zu gehen. Die oft Generationen übergreifende Unternehmensgeschichte beginnt meist mit Wachstum aus eigener Kraft und wird lange fortgeführt. Doch heute müssen sich Mittelständler schneller verändern und kommen irgendwann an den Punkt, an dem sie das nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Es fehlen die Expertise, der Zugang zu einer bestimmten Technologie oder die Kenntnis eines fremden Marktes. Fragen wie „Wie kann ich etwas erwerben, das mich weiterbringt?“ werden nun wichtig.

Eine andere wichtige Frage: Wird das Potenzial meines Unternehmens von einem Bereich eingeschränkt, der einst wichtig war, aber heute nur noch hinderlich ist? Dann kann eine „Entschlackung“ des Betriebs zum Erfolg führen. Möglicherweise ist es auch Zeit, die Gesellschafter- oder Kapitalstruktur zu verändern und einen Investor ins Boot zu holen. Transaktionen eröffnen viele neue Optionen. Abschließend gilt es herauszufinden, ob die Veränderungen allein durchgeführt werden sollen oder ob ein Berater mit M&A-Erfahrung an die Seite geholt wird. Die Arbeit mit Experten kann richtungsweisend sein – vor allem für Mittelständler, die solche folgenreichen Entscheidungen und Prozesse nicht ständig auf der Tagesordnung haben.

Wie verhalten sich mittelständische Unternehmen in Krisenzeiten am besten? Ergeben M&A-Transaktionen auch angesichts volatiler Märkte Sinn?

Absolut! Ich wage sogar zu sagen, dass M&A-Deals in Krisenzeiten oft noch sinnvoller sein können, aber das hängt natürlich immer vom jeweiligen Unternehmen, seinen Anforderungen und den aktuellen Möglichkeiten ab. Besonders Mittelständler können von volatilen Märkten profitieren: Denn viele Investoren haben zwar Finanzmittel, trauen sich in Krisenzeiten jedoch nicht, in ganz große Deals zu investieren. Solche Transaktionen bergen immer ein erhöhtes finanzielles Risiko. Gleichwohl: Krisen bieten auch immer Chancen! Wer jetzt den richtigen Schritt macht, kann letztendlich belohnt werden.

Wie sinnvoll sind M&A-Gedanken für Unternehmen, die ihre Nachfolge regeln oder den Gesellschafterkreis verändern möchten?

Gerade in diesem Bereich bringen M&A-Transaktionen enormen Nutzwert. Der deutsche familiengeführte Mittelstand steht vor einer großen Herausforderung, wenn es um die Nachfolgeregelung geht: Oft gibt es nach mehreren Generationen keine Möglichkeit zur Weiterführung der Geschäfte in der eigenen Familie. Man muss nun einen externen Investor suchen – beispielsweise mittels Management-Buy-out (MBO) oder Management-Buy-in (MBI). Im Gegensatz zum MBO erwirbt beim MBI ein außen stehender Gesellschafter, meist mit der Unterstützung von Finanzinvestoren, Unternehmensanteile und wird in die Unternehmensleitung aufgenommen. In vielen traditionellen Unternehmen gibt es recht genaue Vorstellungen vom künftigen Nachfolger. Bei einem MBI wird ein externer Nachfolger mit ähnlichen Werten oder Zukunftsvisionen gesucht – bei einem MBO kennt der Käufer Struktur und Aufstellung bereits, was von großem Vorteil sein kann. M&A-Prozesse sind so perfekt geeignet, die bestehende Gesellschafter- oder Finanzierungsstruktur zu verändern.

Wie klären Unternehmen die Investorenfrage? Welcher Investorentyp ist der „richtige“?

Als Erstes sollte beantwortet werden, aus welchem Grund ein Investor gesucht wird. Geht es darum, die Gesellschafterstruktur zu verändern? Will der Eigentümer aus dem Unternehmen „aussteigen“? Lässt sich die Finanzierung auch intern regeln? Je nach individuellen Prämissen kann ein Finanzinvestor, der aus rein finanziellen Gründen investiert, am besten sein oder aber ein strategischer Investor, der Zugang zu einem anderen Markt oder einer anderen Technologie ermöglicht. Wer sich mehrere Investoren ins Boot holt, erhöht die Komplexität: Denn jeder weitere Investor hat seine eigenen Ansprüche.

Wo lauern die größten Risikofaktoren im M&A-Prozess?

Dass die Geschäftsführung ohne genaue M&A-Strategie vorschnell handelt. Wer losgaloppiert, ohne die möglichen Hürden der angepeilten Transaktion zu kennen, landet möglicherweise im Graben. Das Gleiche gilt für halbherzig gestartete Projekte. Wer eine M&A-Entscheidung getroffen hat, sollte den Prozess mit Verve durchziehen. Dabei mit angezogener Handbremse zu fahren, kostet Zeit, Nerven, Geld und Prestige. Und wer will schon seine Ressourcen vergeuden?

Welchen Zeitrahmen sollten Mittelständler für eine M&A-Transaktion ansetzen?

Ein M&A-Prozess dauert in der Regel drei bis sechs Monate – vorausgesetzt, die Vorbereitung war sorgfältig und umfassend. Hierfür sollte mindestens ein halbes Jahr veranschlagt werden. Natürlich gibt es auch M&A-Fälle, die in wenigen Wochen abgeschlossen werden. Allerdings wird es für die Beteiligten dann schwieriger, alle wichtigen Punkte zu adressieren. Fakt ist: Je früher und gründlicher in der vorbereitenden ersten Phase alle Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden, desto einfacher und kürzer wird die Fahrt durch die zweite Phase. Hier warten die Due Diligence, Investorengespräche, Vertragsverhandlungen und Einblicke in vertrauliche Informationen. Deshalb ist es gut, Kritisches vorab zu klären und beispielsweise zu wissen, welche rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Besonderheiten zu berücksichtigen sind.

Welche Aufgaben übernimmt die Commerzbank im M&A-Prozess und wann sollte der Kunde am besten auf die Bank zukommen?

So früh wie möglich – am besten also mit den ersten Gedanken an M&A! Durch unsere langjährige Zusammenarbeit mit deutschen wie internationalen Unternehmen in allen Größen und Formen kennen wir die gesamte Bandbreite an Unternehmensmodellen und Wertschöpfungsketten, aber auch Trends und Herausforderungen. Professionelle Beratung von Anfang an kann helfen, Fehler zu vermeiden und den Erfolg zu sichern, denn schließlich verfehlen viele M&A-Transaktionen ihr Ziel. Es gibt so viele Aspekte, die ein Unternehmer in einem solchen Prozess erkennen und beachten muss. Gemeinsam definieren wir die jeweiligen Bedürfnisse, um die beste M&A-Vorbereitung auf den Weg zu bringen – mit dem Ziel, den eigentlichen Prozess möglichst kompakt und vertraulich zu halten sowie zeitgleich wertmaximierend umzusetzen.