Änderungen im EU-Emissionshandel – so reagieren Sie clever

Die Europäische Union (EU) hat neue Regeln für die vierte Phase und die Reform des EU-Emissionshandels beschlossen. Hier ist insbesondere die Einführung der Marktstabilitätsreserve relevant. Die Änderungen greifen ab 2019, die Auswirkungen sind aber schon jetzt zu spüren: So sind etwa die Preise für CO2-Emissionszertifikate bereits um mehr als das Fünffache gestiegen – und das allein zwischen Sommer 2017 und Herbst 2018. Für Unternehmen mit einem hohen CO2-Ausstoß kann das zu erheblichen finanziellen Belastungen führen. Die Commerzbank zählt zu den Pionieren und führenden Akteuren im Emissionshandel. Kunden profitieren so von unserem Know-how und unseren Produkten, um individuelle Strategien und ein professionelles Risikomanagement für den EU-Emissionshandel implementieren zu können.

Was sich im Emissionshandel ändert:

Das Emissionshandelssystem der Europäischen Union, das EU Emissions Trading System (ETS), ist inzwischen das größte der Welt. Gut 12.000 Energie- und Industrieanlagen in den EU-Staaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein nehmen daran teil. Während Großbritannien wegen des Brexits wohl ausscheiden wird, hat die Schweiz Interesse bekundet, 2020 dem ETS beizutreten. Und auf alle Teilnehmer kommen gravierende Veränderungen zu. Denn die EU hat neue Regeln für die vierte Phase des bereits 2005 in der EU gestarteten Emissionshandels beschlossen.

Die vier wichtigsten Neuerungen im Überblick:

  • Die Anzahl der kostenlosen und zur Versteigerung kommenden EU-Emissionsberechtigungen soll von 2021 an jährlich um 2,2 Prozent gesenkt werden. Bislang war lediglich eine Reduktion um 1,74 Prozent vorgesehen. Ziel der Verknappung ist eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 556 Millionen Tonnen zwischen den Jahren 2021 und 2030.
  • Zudem wird zwischen 2019 und 2023 die Entnahmerate durch die Marktstabilitätsreserve (MSR) von 12 auf 24 Prozent des kumulierten Vorjahresüberschusses verdoppelt.
  • Von 2023 an können auch Zertifikate aus der MSR gelöscht werden, um einen Überschuss an Emissionsrechten abzubauen.
  • Zertifikate können zudem freiwillig gelöscht werden, beispielsweise bei der Stilllegung von Kohlekraftwerken.

Die Auswirkungen dieser Neuerungen sind bereits heute spürbar. So stieg der Preis der CO2-Emissionszertifikate vom Sommer 2017 bis zum Herbst 2018 um mehr als das Fünffache. Und sie werden sich weiter verteuren. Höchste Zeit also für Unternehmen, sich mit dieser Problematik zu beschäftigen.

„Unternehmen werden ihre Einkaufsstrategie ändern müssen“

Mit welchen Auswirkungen die Wirtschaft rechnen muss, erläutert Ingo Ramming im Interview.

Er ist Managing Director der Commerzbank und Head of Corporate & Investor Solutions, Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Börse Commodities sowie Co-Vorsitzender der IETA-Arbeitsgruppe EU ETS.

Herr Ramming, auf welche Folgen für den Emissionshandel müssen sich Unternehmen aufgrund der von der Europäischen Union beschlossenen Neuerungen einstellen?

Die wesentlichen Faktoren sind zum einen, dass wir eine erhebliche Verknappung der kostenlosen Zuteilung von Zertifikaten in den kommenden Jahren bekommen werden, zum anderen wird es 2019 und 2020 auch eine deutliche Verringerung des Auktionsvolumens geben. Das wird einen signifikanten Einfluss auf die Preise der Emissionsrechte haben. Haupttreiber dabei ist die Marktstabilitätsreserve.

Was bedeutet das konkret?

Die in der vierten Phase des EU-Emissionshandels vorgesehene Verknappung der Zertifikate wird von 2021 an dazu führen, dass Industriekunden Emissionsrechte zukaufen müssen. Und das nicht zu Preisen um die 5 Euro pro Tonne wie in den vergangenen Jahren, denn EU-Emissionsrechte handeln heute bei 20 Euro pro Tonne. Die Unternehmen werden daher ihre Einkaufsstrategie ändern müssen, da die CO2-Zertifikate dann zu einer relevanteren Kostengröße werden. In Deutschland sind davon knapp 2.000 Energie- und Industrieanlagen betroffen. Das ist immerhin ein Sechstel aller Anlagen im EU-Emissionshandelssystem.

Wie reagieren die betroffenen Unternehmen auf die gestiegenen Preise?

Viele wurden von den rasanten Preissteigerungen der jüngsten Zeit überrascht. Wir sind daher mit zahlreichen Unternehmen im Gespräch, bzw. viele kommen auf uns zu und fragen uns, was sie tun können. Sie wollen sich schon heute günstige Preise für die Emissionsrechte sichern, um das Risiko zu minimieren, sollten diese in Zukunft weiter steigen. Die Sensibilität für das Thema ist auf jeden Fall vorhanden. So sind beispielsweise Stromunternehmen gut auf die kommenden Änderungen im EU-ETS vorbereitet und haben sich zu einem gewissen Grad auch abgesichert.

Die Schweiz will 2020 dem ETS beitreten. Welche Auswirkungen wird das haben?

Es wird in erster Linie eine positive Auswirkung auf die öffentliche Wahrnehmung des ETS haben, da ein Land dazu kommt. Die Zahl der Anlagen, die hinzukommen, wird allerdings nicht wirklich relevant sein.

Wie wird sich der Preis für Emissionsrechte weiter entwickeln?

Die Experten aus dem Rohstoff-Research der Commerzbank rechnen mit einem weiterhin hohen Preis je Tonne CO2. Sie prognostizieren einen Anstieg auf 21 Euro pro Tonne CO2 für Ende kommenden Jahres. Im zweiten Quartal 2018 hatte eine Tonne noch 14,40 Euro gekostet. Wie gewaltig die Veränderungen sein werden, zeigt ein Blick auf den Jahresdurchschnittspreis für CO2-Emissionszertifikate: 2017 betrug er noch 5,80 Euro, für 2019 erwartet das Research einen Anstieg auf 19,50 Euro.

Wie die Commerzbank Unternehmen beim Risikomanagement und im Emissionshandel konkret unterstützt:

Die Reform des Emissionshandels in der EU ist verabschiedet. Die Preise für entsprechende Zertifikate sind bereits gestiegen. Und sie werden nach Ansicht von Experten weiter in die Höhe gehen. Ein großer Vorteil für Unternehmen: Mithilfe der entsprechenden Produkte können sich Kunden heute schon absichern und mit EU-Emissionsberechtigungen eindecken. Mit der Commerzbank haben Sie dafür einen Partner an Ihrer Seite, der langjährige Erfahrung in diesem Markt besitzt. So haben wir beispielsweise im Jahr 2011 an einem Pilotprojekt teilgenommen, bei dem zum ersten Mal in Deutschland CO2-Zertifikate versteigert wurden. Ferner haben wir im Jahr 2004 die weltweit erste ISDA-dokumentierte Transaktion über EU-Emissionsberechtigungen abgeschlossen. Profitieren Sie von unserer großen Erfahrung im Bereich Risikomanagement und von unserem Know-how als ein führender Akteur im Emissionshandel.

Eine aktive Steuerung des Rohstoffpreisrisikos wird immer wichtiger

Unsere Dienstleistungen sind umfassend und können den jeweiligen Bedürfnissen unserer Kunden stets individuell angepasst werden. Wir informieren unsere Kunden über relevante Entwicklungen im Bereich Emissionshandel, gesetzliche Änderungen und neue Trends. Zudem steht am Anfang einer Zusammenarbeit immer die genaue Analyse der jeweiligen Risiken.

Eine aktive Steuerung des Rohstoffpreisrisikos wird für Unternehmen immer wichtiger. Wir zeigen Ihnen aber auch die Chancen der nächsten Phase der ETS. Denn die Commerzbank unterstützt Unternehmen im gesamten Prozess des Emissionshandels. Das beginnt mit der Zuteilung der kostenlosen Zertifikate im Februar jeden Jahres bis zur Abrechnung im April des Folgejahres. Wir berechnen auf Grundlage von Unternehmensangaben einen möglichen Überschuss oder ein Defizit an Emissionsberechtigungen und stellen konkrete Handlungsoptionen vor: Wie können beispielsweise kostenlos zugeteilte EU-Emissionszertifikate genutzt werden, um Finanzierungskosten zu optimieren?

Ein aktives Risikomanagement erhöht die Planungssicherheit

Gemeinsam mit dem Unternehmen entwickeln wir das passende, individuelle Risikomanagement und die sich daraus ergebenden Handlungsstrategien. Ein Vorteil: Aktives Risikomanagement erhöht die Planungssicherheit für das Unternehmen.

Folgende Strategien kommen häufig zum Einsatz:

  • Passive Strategien: CO2-Zertifikate werden kurz vor dem Compliance-Stichtag erworben, Verkäufe am Jahres- oder Quartalsende getätigt.
  • Taktischer/aktiver Handelsansatz: Unternehmen nutzen die Chancen des Marktes und kaufen oder verkaufen Emissionsberechtigungen, sobald ein vorher definiertes Preisziel erreicht wird.
  • Absicherungs-/Einkaufsstrategien: Bei diesem Ansatz definieren Unternehmen Strategien, nach denen auf regelmäßiger Basis Zertifikate erworben oder veräußert werden.
  • Integrierter Risikomanagement-Ansatz: Rohstoff-, Wechselkurs- und Zinsrisiken werden simultan gemanagt.

Höhere Betroffenheit als bei Zins- und Wechselkursrisiken

Unternehmen steht eine breite Palette an Instrumenten zur Steuerung von Rohstoffpreisrisiken zur Verfügung, insbesondere im Emissionshandel gibt es ein umfassendes Angebot. Und das sollte von allen unbedingt genutzt werden, denn im Vergleich zu Zins- und Wechselkursrisiken ist die direkte Betroffenheit von Unternehmen im Rohstoffbereich wesentlich höher.

Das Unternehmen erwirbt oder veräußert die EU-Emissionsrechte mit sofortiger Lieferung und bezahlt oder erhält den entsprechenden Preis. Dieses Instrument kann bei der jährlichen Abrechnung im April eingesetzt werden oder dient dazu durch den Verlauf einen Gewinn zu erzielen.

Kauf oder Verkauf in der Kasse (Spot):

Das Unternehmen erwirbt oder veräußert die EU-Emissionsrechte mit sofortiger Lieferung und bezahlt oder erhält den entsprechenden Preis. Dieses Instrument kann bei der jährlichen Abrechnung im April eingesetzt werden oder dient dazu durch den Verlauf einen Gewinn zu erzielen.

Terminkauf oder -verkauf (Forward):

Die Firma bestimmt heute einen Preis, zu dem in Zukunft CO2-Zertifikate ge- oder verkauft werden. So kann sich der Kunde gegen steigende oder fallende Preise absichern.

Limit-Order:

Im Auftrag des Kunden kauft oder verkauft die Commerzbank Emissionsrechte zu einem Zielpreis in der Kasse oder auf Termin. Diese Strategie ermöglicht Unternehmen eine große Flexibilität.

Kauf zum Durchschnittspreis:

Emissionsrechte werden zu einem vorher definierten Durchschnittspreis erworben oder abgestoßen. Unternehmen vermeiden so, Transaktionen ausgerechnet zu historischen Höchst- oder Tiefstständen abwickeln zu müssen.

Option:

Mittels Optionen, also dem Recht, CO2-Zertifikate kaufen oder verkaufen zu können, sichern sich Kunden gegen extreme Preisentwicklungen ab. Zudem können Prämien generiert werden.

Swap:

Um die Compliance-Position eines Unternehmens zu steuern, können Unternehmen eine festgelegte Menge an Emissionszertifikaten (CER) gegen EU-Emissionsrechte (EUA) tauschen.

Finanzierung:

Unternehmen können durch den zeitgleichen Verkauf von EU-Emissionsberechtigungen in der Kasse und den zeitgleichen Rückkauf auf Termin Mittel aufnehmen und sich so finanzieren.