EU-Emissionshandel

4. Phase des CO2-Emissionshandels beginnt - Überprüfen Sie Ihre Einkaufsstrategie!

Die Preise für EU-Emissionsberechtigungen sind in den letzten Jahren gestiegen. Während diese Mitte 2017 noch um die 5 Euro pro Tonne gehandelt haben, steht der Preis aktuell (Februar 2020) bei ca. 25 Euro pro Tonne. Grund dafür ist die Reform des EU-Emissionshandels, in der die Regeln für die vierte Phase des EU-Emissionshandels von 2021 bis 2030 beschlossen wurden und die Marktstabilitätsreserve (MSR) im Jahr 2019 eingeführt wurde. Für Unternehmen mit einem hohen CO2-Ausstoß kann das zu erheblichen finanziellen Belastungen führen. Deshalb sollte über ein professionelles Risikomanagement für den EU-Emissionshandel nachgedacht werden.

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Was sich im Emissionshandel ändert

Das Emissionshandelssystem der Europäischen Union, das EU Emissions Trading System (ETS), ist inzwischen das größte der Welt. Gut 12.000 Energie- und Industrieanlagen in den EU-Staaten sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein nehmen daran teil. Mit dem Ende des „Transition Agreements“ wird Großbritannien das EU ETS verlassen, sofern beide Seiten keinen künftigen Link vereinbaren. So ein Link besteht seit 2020 mit der Schweiz und dem schweizer Emissionshandelssystem.

Mit dem Start der vierten Phase des EU Emissionshandels kommen auf alle Teilnehmer gravierende Veränderungen zu.

Die vier wichtigsten Neuerungen im Überblick

  • Die Anzahl der kostenlosen und zur Versteigerung kommenden EU-Emissionsberechtigungen soll von 2021 an jährlich um 2,2 Prozent gesenkt werden. Bislang war lediglich eine Reduktion um 1,74 Prozent vorgesehen. Ziel der Verknappung ist eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 556 Millionen Tonnen zwischen 2021 und 2030.
  • Zudem wird zwischen 2019 und 2023 die Entnahmerate durch die Marktstabilitätsreserve (MSR) von 12 auf 24 Prozent des kumulierten Vorjahresüberschusses verdoppelt.
  • Von 2023 an können auch Zertifikate aus der MSR gelöscht werden, um einen Überschuss an Emissionsrechten abzubauen.
  • Zertifikate können zudem freiwillig gelöscht werden, beispielsweise bei der Stilllegung von Kohlekraftwerken.

Die Auswirkungen dieser Neuerungen sind bereits heute spürbar und die Preise im EU-Emissionshandel sind seit 2017 von 5 Euro pro Tonne auf 25 Euro pro Tonne gestiegen. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um den Green Deal, die Klimaneutralität im Jahr 2050 und die Verschärfung der CO2-Ziele im Jahr 2030 könnten sich diese weiter verteuern. Höchste Zeit also für Unternehmen, sich mit dieser Problematik zu beschäftigen.

„Unternehmen werden ihre Einkaufsstrategie ändern müssen“

Mit welchen Auswirkungen die Wirtschaft rechnen muss, erläutert Ingo Ramming im Interview.

Er ist Head des Corporate & Investor Solutions Team der Commerzbank und Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Börse Commodities.


Herr Ramming, auf welche Folgen für den Emissionshandel müssen sich Unternehmen aufgrund der von der Europäischen Union beschlossenen Neuerungen einstellen?

Die wesentlichen Faktoren sind zum einen, dass wir eine erhebliche Verknappung der kostenlosen Zuteilung von Zertifikaten in den kommenden Jahren bekommen werden, zum anderen führt die Einführung der Marktstabilitätsreserve (MSR) zu einer wesentlichen Verknappung des Auktionsvolumens in 2019, 2020 und den nächsten Jahren. Das wird einen signifikanten Einfluss auf die Preise der Emissionsrechte haben.

Was bedeutet das konkret?

Die in der vierten Phase des EU-Emissionshandels vorgesehene Verknappung der Zuteilung an Zertifikaten wird von 2021 an dazu führen, dass viele Industriekunden Emissionsrechte zukaufen müssen. Und das nicht zu Preisen um die 5 Euro pro Tonne wie in den vergangenen Jahren, denn EU-Emissionsrechte handeln heute bei 25 Euro pro Tonne. Die Unternehmen werden daher ihre Einkaufsstrategie ändern und aktiver handeln, da die CO2-Zertifikate zu einer relevanteren Kostengröße werden. In Deutschland sind davon knapp 2.000 Energie- und Industrieanlagen betroffen. Das ist immerhin ein Sechstel aller Anlagen im EU-Emissionshandelssystem.

Wie reagieren die betroffenen Unternehmen auf die gestiegenen Preise?

Viele wurden von den rasanten Preissteigerungen , gerade im Jahr 2018 überrascht. Gerade die signifikante Volatilität bei den Preisen birgt Probleme. Daneben befürchten viele Unternehmen aufgrund der aktuellen Diskussion um den Green Deal in der EU und einer möglichen Verschärfung der CO2-Ziele für 2030 eine zusätzliche Verknappung der kostenlosen Zuteilung sowie höhere Preise. Wir sind daher mit zahlreichen Unternehmen im Gespräch, bzw. viele kommen auf uns zu und fragen uns, was sie tun können. Sie wollen sich gegen Preisrisiken absichern, um das Risiko zu minimieren, sollten diese in Zukunft weiter steigen. Die Sensibilität für das Thema ist in den letzten Monaten signifikant gestiegen.

Die Schweiz wird in diesem Jahr dem EU ETS beitreten. Welche Auswirkungen wird das haben?

Es wird in erster Linie eine positive Auswirkung auf die öffentliche Wahrnehmung des EU ETS haben, da ein Land dazu kommt. Die CO2-Emissionen in der Schweiz sowie die Zahl der Anlagen ist im Vergleich zur EU gering. Daher werden die Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage begrenzt sein.

Wie wird sich der Preis für Emissionsrechte weiter entwickeln?

Die Experten aus dem Rohstoff-Research der Commerzbank rechnen mit einem weiterhin hohen Preis je Tonne CO2. Sie prognostizieren einen Anstieg auf 30 Euro pro Tonne CO2 für Ende 2020 und 33 Euro pro Tonne CO2 Ende 2021. Aktuell (Februar 2020) kostet eine Tonne noch ca. 25,00 Euro. Gerade die Diskussion in Europa um den Green Deal und die mögliche Verschärfung der europäischen CO2-Ziele birgt erhebliche Preisrisiken und die meisten Analysten gehen davon aus, dass die Preise im EU-Emissionshandel weiter steigen werden.

Wie die Commerzbank Unternehmen beim Risikomanagement und im Emissionshandel konkret unterstützt

Die Reform des Emissionshandels in der EU ist verabschiedet. Die Preise für entsprechende Zertifikate sind bereits gestiegen. Und sie werden nach Ansicht von Experten weiter in die Höhe gehen. Ein großer Vorteil für Unternehmen: Mithilfe der entsprechenden Produkte können sich Kunden heute schon absichern und mit EU-Emissionsberechtigungen eindecken. Mit der Commerzbank haben sie dafür einen Partner an ihrer Seite, der langjährige Erfahrung in diesem Markt besitzt. So haben wir beispielsweise im Jahr 2001 an einem Pilotprojekt teilgenommen, bei dem zum ersten Mal in Deutschland CO2-Zertifikate versteigert wurden. Ferner haben wir im Jahr 2004 die weltweit erste ISDA-dokumentierte Transaktion über EU-Emissionsberechtigungen abgeschlossen. Profitieren Sie von unserer großen Erfahrung im Bereich Risikomanagement und von unserem Know-how als ein führender Akteur im Emissionshandel.

Eine aktive Steuerung des Rohstoffpreisrisikos wird immer wichtiger

Unsere Dienstleistungen sind umfassend und können den jeweiligen Bedürfnissen unserer Kunden stets individuell angepasst werden. Wir informieren unsere Kunden über relevante Entwicklungen im Bereich Emissionshandel, gesetzliche Änderungen und neue Trends. Zudem steht am Anfang einer Zusammenarbeit immer die genaue Analyse der jeweiligen Risiken.

Eine aktive Steuerung des Rohstoffpreisrisikos wird für Unternehmen immer wichtiger. Wir zeigen ihnen aber auch die Chancen der nächsten Phase des ETS. Denn die Commerzbank unterstützt Unternehmen im gesamten Prozess des Emissionshandels. Das beginnt mit der Zuteilung der kostenlosen Zertifikate im Februar jeden Jahres bis zur Abrechnung im April des Folgejahres. Wir berechnen auf Grundlage von Unternehmensangaben einen möglichen Überschuss oder ein Defizit an Emissionsberechtigungen und stellen konkrete Handlungsoptionen vor: Wie können beispielsweise kostenlos zugeteilte EU-Emissionszertifikate genutzt werden, um Finanzierungskosten zu optimieren?

Ein aktives Risikomanagement erhöht die Planungssicherheit

Gemeinsam mit dem Unternehmen entwickeln wir das passende, individuelle Risikomanagement und die sich daraus ergebenden Handlungsstrategien. Ein Vorteil: Aktives Risikomanagement erhöht die Planungssicherheit für das Unternehmen.

Folgende Strategien kommen häufig zum Einsatz:

  • Passive Strategien: CO2-Zertifikate werden kurz vor dem Compliance-Stichtag erworben, Verkäufe am Jahres- oder Quartalsende getätigt.
  • Taktischer/aktiver Handelsansatz: Unternehmen nutzen die Chancen des Markts und kaufen oder verkaufen Emissionsberechtigungen, sobald ein vorher definiertes Preisziel erreicht wird.
  • Absicherungs-/Einkaufsstrategien: Bei diesem Ansatz definieren Unternehmen Strategien, nach denen auf regelmäßiger Basis Zertifikate erworben oder veräußert werden.
  • Integrierter Risikomanagement-Ansatz: Rohstoff-, Wechselkurs- und Zinsrisiken werden simultan gemanagt.

Stärkere Betroffenheit als bei Zins- und Wechselkursrisiken

Unternehmen steht eine breite Palette an Instrumenten zur Steuerung von Rohstoffpreisrisiken zur Verfügung, insbesondere im Emissionshandel gibt es ein umfassendes Angebot. Und das sollte von allen unbedingt genutzt werden, denn im Vergleich zu Zins- und Wechselkursrisiken ist die direkte Betroffenheit von Unternehmen im Rohstoffbereich wesentlich stärker.

Das Unternehmen erwirbt oder veräußert die EU-Emissionsrechte mit sofortiger Lieferung und bezahlt oder erhält den entsprechenden Preis. Dieses Instrument kann bei der jährlichen Abrechnung im April eingesetzt werden oder dient dazu, durch den Verlauf einen Gewinn zu erzielen.

Kauf oder Verkauf in der Kasse (Spot):

Terminkauf oder -verkauf (Forward):

Die Firma bestimmt heute einen Preis, zu dem in Zukunft CO2-Zertifikate ge- oder verkauft werden. So kann sich der Kunde gegen steigende oder fallende Preise absichern.

Limit-Order:

Im Auftrag des Kunden kauft oder verkauft die Commerzbank Emissionsrechte zu einem Zielpreis in der Kasse oder auf Termin. Diese Strategie ermöglicht Unternehmen eine große Flexibilität.

Kauf zum Durchschnittspreis:

Emissionsrechte werden zu einem vorher definierten Durchschnittspreis erworben oder abgestoßen. Unternehmen vermeiden so, Transaktionen ausgerechnet zu historischen Höchst- oder Tiefstständen abwickeln zu müssen.

Option:

Mittels Optionen, also dem Recht, CO2-Zertifikate kaufen oder verkaufen zu können, sichern sich Kunden gegen extreme Preisentwicklungen ab. Zudem können Prämien generiert werden.

Swap:

Um die Compliance-Position eines Unternehmens zu steuern, können Unternehmen eine festgelegte Menge an Emissionszertifikaten (CER) gegen EU-Emissionsrechte (EUA) tauschen.

Finanzierung:

Unternehmen können durch den zeitgleichen Verkauf von EU-Emissionsberechtigungen in der Kasse und den zeitgleichen Rückkauf auf Termin Mittel aufnehmen und sich so finanzieren.