Research

Analysen und Prognosen: Damit Sie wissen, was auf Sie zukommt

Aktuelle geopolitische und volkswirtschaftliche Entwicklungen verändern immer wieder die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln. Umso wichtiger ist es, Trends frühzeitig zu erkennen, mögliche Auswirkungen einzuschätzen und Strategien darauf auszurichten. Das Commerzbank Research-Team versorgt Sie dabei mit detaillierten Analysen und Prognosen.

Ausblick auf 2020 - Weichenstellungen für den Welthandel

Die Demokraten in den USA bestimmen ihren Präsidentschaftskandidaten, Chinas Regierung reagiert auf das schwächere Wachstum, die amerikanische Notenbank definiert eine neue Zinsstrategie und der Brexit könnte am Ende doch noch „hart“ ausfallen.

In den nächsten Monaten stehen viele Weichenstellungen für die Weltwirtschaft an. Was bedeutet das für den deutschen Mittelstand?

• Wer fordert Trump heraus?

  • Donald Trump kämpft für eine zweite Amtszeit als US-Präsident. Aber wer wird sein Kontrahent von den Demokraten? Joe Biden und Michael Bloomberg gelten als Vertreter der Mitte, Bernie Sanders und Elizabeth Warren zählen eher zum linken Flügel. Erste Tendenzen dürfte der „Super Tuesday“ am 3. März zeigen: Vorwahlen in gleich 14 Bundesstaaten. Doch unabhängig vom Ergebnis: Die USA werden nicht zur liberaleren Welthandelsordnung der Vor-Trump-Ära zurückkehren. Hier unsere Einschätzung.

Hier lesen Sie unsere Einschätzung.

Die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und Republikaner werden in einem aufwendigen Vorwahlverfahren festgelegt. Diese Vorwahlen starten traditionell in Iowa. Die meisten Delegierten werden am Super Tuesday (3. März) bestimmt, welcher Vorwahlen in mehreren Bundesstaaten bündelt. Nach Ende der Vorwahlen werden die Demokraten ihren Kandidaten auf der National Convention vom 13. bis 16. Juni offiziell benennen, die Republikaner am 24. bis 27. August.

Dass die Republikaner erneut Donald Trump auf den Schild heben, ist reine Formsache. Dagegen muss sich der demokratische Kandidat noch durchsetzen. Umfragen zufolge führt Joe Biden das Feld an. Seit mehreren Monaten liegt er im landesweiten Durchschnitt stabil zwischen 26% und 29%. An zweiter Stelle mit zurzeit knapp 20% liegt Bernie Sanders, der zuletzt wieder Boden gutgemacht hat, während Elizabeth Warren auf etwa 15% zurückgefallen ist. Der spät ins Rennen gestartete Michael Bloomberg liegt gegenwärtig bei knapp 6%.

Biden und Bloomberg gelten als Vertreter der Mitte, während Sanders und Warren dem linken Flügel der Demokraten zugerechnet werden. Letztere können auf den Enthusiasmus ihrer Anhänger bauen, während die „Zentristen“ wohl die besseren Chancen im Zweikampf gegen Trump haben. Die Auswahl des demokratischen Kandidaten ist daher bereits eine wichtige Weichenstellung für die am 3. November angesetzten Präsidentschaftswahlen. Dann wird auch das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt.

Mit einer Rückkehr zur liberaleren Welthandelsordnung der Vor-Trump-Ära ist allerdings auch bei einem demokratischen Sieg bei den Präsidentschaftswahlen nicht zu rechnen. Denn der Trend zum Protektionismus ist parteiübergreifend.

• Was tun gegen Chinas Wachstumsschwäche?

  • Die chinesische Regierung präsentiert bei der Tagung des Nationalen Volkskongresses am 5. März ihre wirtschaftspolitischen Maßnahmen und die Jahresziele für die wichtigsten Wirtschaftsindikatoren. 2018 stand der Schuldenabbau im Mittelpunkt, 2019 ein gewaltiges Steuersenkungsprogramm. Und 2020? Wer erwartet, dass Asiens Nummer 1 mit teuren Programmen als Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft zurückkehrt, dürfte enttäuscht werden. Details dazu hier.

Details dazu finden Sie hier.

Chinas Nationaler Volkskongress wird am 5. März zusammenkommen. Bei dieser Gelegenheit gibt die chinesische Regierung ihre Jahresziele für die wichtigsten Wirtschaftsindikatoren bekannt. Es wird erwartet, dass China das Wachstumsziel für 2020 auf 6,0% senken wird – und zwar von 6,0 bis 6,5 % für 2019. Die Regierung rechnet also mit einem etwas flacheren Wachstumspfad.

Eine Kernfrage ist, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen auf dem Volkskongress verkündet werden. So legte die Regierung 2018 die Pläne für den Schuldenabbau im Rahmen des Finanzausgleichs vor. 2019 avisierte der Volkskongress ein Steuersenkungspaket in Höhe von 2.0 Billionen Yuan (dies entspricht etwa 2% des Bruttoinlandsprodukts). In diesem Jahr sind wohl keine teuren Maßnahmen zu erwarten. Schließlich will die Regierung keinen „Boom-Bust“-Zyklus riskieren. Stattdessen akzeptiert sie ein schwächeres Wachstum, wofür sie ohnehin Donald Trump verantwortlich machen kann. China fällt als Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft aus.

• Ändert die amerikanische Notenbank ihre Zinsstrategie?

  • Die amerikanische Notenbank Fed hat es in den 2010er-Jahren nicht geschafft, ihr selbst gesetztes Inflationsziel von 2 Prozent zu erreichen. Deshalb stellte sie ihre Strategie auf den Prüfstand. Als Konsequenz – und um eine Rezession zu vermeiden – dürfte die Bereitschaft zu vorbeugenden Zinssenkungen steigen. Warum diese Strategieänderung jetzt stärker formalisiert werden könnte, erläutern wir hier.

Warum diese Strategieänderung jetzt stärker formalisiert werden könnte, erläutern wir hier.

Die Fed hat im November 2018 eine breit angelegte Überprüfung ihrer Strategie angekündigt. Die Ziele der Geldpolitik – Preisstabilität und Vollbeschäftigung – stehen nicht zur Debatte, da sie der Fed vom Kongress gesetzlich vorgegeben wurden. Die Fed wird auch nicht an ihrem Inflationsziel von 2% rütteln. Sehr wohl überprüft werden soll aber, ob die Fed ihre Ziele mit dem bestehenden Instrumentarium bestmöglich erreichen kann oder ob ihr Werkzeugkasten ergänzt werden muss. Auch wird sich die US-Notenbank Gedanken darüber machen, ob und wie sie ihre Kommunikation verbessern kann (hier ging der Trend der letzten Jahre hin zu einer größeren Transparenz).

Den Hintergrund der Strategieüberprüfung bildet die Beobachtung, dass die Fed ihr selbstgesetztes Inflationsziel seit langem verfehlt. Seit 2010 liegt die Inflationsrate im Durchschnitt bei 1,5% und zeigt keine größere Neigung, auf das 2%-Ziel zu steigen. Dies zieht aus Sicht der Fed das Risiko nach sich, dass sich die Inflationserwartungen auf diesem niedrigen Niveau verfestigen, was die Erreichung des Inflationsziels weiter erschweren würde. Diskutiert werden „Aufholstrategien“, nach denen die Fed nach einer Phase einer zu niedrigen Inflation eine Zeitlang höhere Teuerungsraten akzeptiert. Die Strategie der Fed muss auch damit zurechtkommen, dass die Geldpolitik trotz des langen Aufschwungs immer noch recht nahe an der effektiven Zinsuntergrenze operiert. Diese Grenze dürfte für die Fed nahe null liegen; sie hat ihre Zinsen im Unterschied zur EZB nie unter diese Marke gesenkt. Da sie jetzt weniger Luft für Zinssenkungen hat, will die Fed eine Rezession auf jeden Fall vermeiden. Daher ist die Bereitschaft zu vorbeugenden Zinssenkungen jetzt höher. Diese Strategieänderung zeigte sich schon in den drei Senkungen im letzten Jahr und könnte jetzt stärker formalisiert werden.

• Kommt ein „harter Brexit“ durch die Hintertür?

  • Nach dem klaren Sieg von Boris Johnson bei den Parlamentswahlen am 13. Dezember schien in Sachen Brexit alles klar. Doch das letzte Wort ist möglicherweise noch nicht gesprochen. Zwar sagt Großbritannien Ende Januar der EU goodbye, doch dann sollen bis Ende 2020 die Verhandlungen über die wirtschaftlichen Beziehungen, insbesondere über ein Freihandelsabkommen, abgeschlossen sein – ein unrealistischer Zeitplan. Kommt es also doch noch zu einem wirtschaftlich desaströsen harten Brexit? Lesen Sie hier, warum wir das für unwahrscheinlich halten.

Lesen Sie hier, warum wir das für unwahrscheinlich halten.

Seit dem Erdrutschsieg der Konservativen bei den Parlamentswahlen am 13. Dezember ist klar, dass Großbritannien die EU Ende Januar verlassen wird. Der Austrittsvertrag sieht vor, dass die EU und Großbritannien danach über ihre künftigen wirtschaftlichen Beziehungen verhandeln, dabei geht es insbesondere um ein Freihandelsabkommen. Diese Verhandlungen sollen laut Vertrag bis Ende 2020 abgeschlossen sein.

Allerdings ist es unrealistisch, dass sich beide Seiten in nur elf Monaten auf ein Freihandels-Abkommen verständigen. Um mehr Zeit zu bekommen, müsste Großbritannien die EU bis Ende Juni um eine Fristverlängerung bitten. Das haben die Konservativen in ihrem Wahlprogramm und zuletzt auch die Regierung ausgeschlossen. Aber am Ende dürfte Boris Johnson doch um mehr Verhandlungszeit bitten. Wenn die Verhandlungen nämlich Ende 2020 ohne einen Freihandelsvertrag endeten, käme es zu Zöllen zwischen der EU und Großbritannien und doch noch zu einem wirtschaftlich desaströsen harten Brexit. Dieses wirtschaftliche Risiko würde Boris Johnson wohl nicht eingehen. Das gilt umso mehr, da er wegen seiner satten Parlamentsmehrheit kaum noch Rücksicht auf radikale Brexit-Anhänger nehmen muss.

Holen Sie sich tiefergehende Informationen zu den Details und Hintergründen – einfach hier [pdf, 1 MB] herunterladen.

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