Risikomanagement im Rohstoffbereich

Michael Alt, Co-Head des Commodity Solutions Team der Commerzbank, erläutert, warum die aktive Steuerung des Rohstoffpreisrisikos immer wichtiger wird

Eine aktive Steuerung von Rohstoffpreisrisiken gewinnt zunehmend an Relevanz für den geschäftlichen Erfolg. Denn vorausschauendes Agieren und systematische Preissicherung zu betreiben ist besser als Reagieren - und damit Preisnehmer in einem volatilen Markt zu sein.

Enorme Preisschwankungen und komplexe Preiseinflussfaktoren erschweren insbesondere rohstoffintensiven Unternehmen eine verlässliche Kalkulation. Die Rohstoffpreisentwicklung kann damit schnell zur Kostenfalle werden und ein zunächst attraktiv erscheinender Auftrag zu empfindlichen Verlusten führen.

Aktives Risikomanagement im Rohstoffbereich reduziert nicht nur die Abhängigkeit von Marktpreisen und somit Ergebnisschwankungen, sondern erhöht gleichzeitig auch die Planungssicherheit. Folglich sinkt der benötigte Risikopuffer in der Kalkulation, das Unternehmen kann nicht nur mit Qualität im Produkt, sondern auch mit einem marktgerechten Preis punkten.

Risikoanalyse und -quantifizierung

Der erste Schritt zur Umsetzung einer erfolgreichen Risikomanagementstrategie im Rohstoffbereich beinhaltet die Identifizierung der Risiken, die mit dem jeweiligen Produkt verbunden sind. Dabei ist es wichtig, nicht nur die „direkten“ und offensichtlichen Risiken zu bedenken, sondern auch Faktoren wie Energie-, Logistik- und Verpackungskosten. Danach erfolgt die Quantifizierung und Priorisierung der Risiken: Wie groß ist das Risiko absolut und wie entscheidend ist es im Hinblick auf den Erfolg einzelner Aufträge oder des gesamten Unternehmens?

Viele Unternehmen steuern ihre Zins- und Wechselkursrisiken bereits aktiv. Für das Management von Rohstoffpreisrisiken existieren dieselben Instrumente, nur die Schwankungsbreite und direkte Betroffenheit der Unternehmen im Rohstoffbereich ist ungleich höher.

Trennung des Preisrisikos von der physischen Transaktion

Finanzielle Absicherung führt zu einer Trennung von Preisrisiko und physischer Transaktion. Damit gewinnt das Unternehmen die Flexibilität, beide Elemente unabhängig voneinander zu steuern. Die Preisabsicherung kann beispielsweise einen Lageraufbau als Mittel der Nutzung eines günstigen Marktpreises ersetzen: Das Ziel der Sicherung einer Kalkulationsgrundlage wird erreicht, die Kosten der Lagerhaltung und der Finanzierung der Rohstoffe entfallen. Im Sinne der Kunden- und Lieferantenpflege kann auf Preisüberwälzungsklauseln verzichtet und der Faktor Rohstoffpreise durch Finanzinstrumente fixiert werden. Dies schützt die Geschäftspartner vor ungünstigen, nicht durchreichbaren Preisentwicklungen und erhöht die Transparenz für alle Beteiligten.

Neben den Basisinstrumenten Festpreis (verpflichtende Preisfixierung) und Option („Versicherung“ eines Preisniveaus und volle Partizipation an einer günstigen Preisentwicklung gegen Zahlung einer Prämie) lassen sich auch individuelle Zahlungsprofile generieren. Diese ermöglichen - oftmals prämienneutral - eine Partizipation an vorteilhaften Marktbewegungen, ohne jedoch den Absicherungsgedanken aus den Augen zu verlieren. So lassen sich die Instrumente maßgeschneidert auf das entsprechende Grundgeschäft, die eigene Marktmeinung und die individuellen Anforderungen an die Sicherung abstimmen und eröffnen die Chance, sich bietende Marktfenster aktiv zu nutzen. Dieses Zusammenspiel aus physischem und finanziellem Rohstoffmanagement ermöglicht es Unternehmen, sich flexibel und bedarfsgerecht an den Rohstoffmärkten zu bewegen.