CO2-Kompensation

CO2-Kompensation - ein wichtiger Baustein für die Klimaneutralität von Unternehmen

Gerade europäische und insbesondere deutsche Unternehmen engagieren sich so nachdrücklich wie nie zuvor für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte, unter anderem mit dem langfristigen Ziel der Klimaneutralität. Dazu intensivieren sie ihre Bemühungen, Energie zu sparen, und optimieren ihre CO2-Bilanz. Der nicht vermeidbare Rest an Emissionen kann durch die Stilllegung von Emissionszertifikaten neutralisiert werden. Eine solche Haltung wird von den Finanzmärkten und Kunden sowie der gesamten Lieferkette honoriert, zunehmend wird sie aber auch als wichtiger Baustein einer Geschäftsverbindung angesehen und dementsprechend erwartet.

Milliarden für den Klimaschutz

Die jährliche Studie des Carbon Disclosure Projects (CDP), an der sich seit 2003 auch die Commerzbank beteiligt, zeigt den Umfang des Engagements. Demnach haben 2019 rund 900 börsennotierte europäische Unternehmen insgesamt 124 Milliarden Euro in die Verringerung ihrer CO2-Emissionen und vor allem in erneuerbare Energien investiert. Den größten Anteil daran hatten 69 deutsche Unternehmen, die für das Jahr 2019 Investitionen von insgesamt über 44 Milliarden Euro an das CDP meldeten.

Gute Kompensationsmöglichkeiten für den unternehmerischen CO2-Fußabdruck

Für Michael Alt, Head of Commodities Advisory & Distribution, bei der Commerzbank, lautet das oberste Ziel nachhaltigen Wirtschaftens für Unternehmen heute: „Emissionen umfassend vermeiden. Ist das nicht möglich, können Unternehmen sie über den freiwilligen Handel mit Emissionsrechten und -zertifikaten kompensieren. Dabei sind unterschiedliche Lösungen und Strategien denkbar. Beispielsweise werden nur Zertifikate verwendet, die internationalen Standards folgen, oder es werden thematische bzw. regionale Schwerpunkte gesetzt. Die Commerzbank selbst legt bei der CO2-Kompensation den Fokus auf Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern, die den Erlös aus dem Verkauf von Zertifikaten für den Auf- und Ausbau von Anlagen für erneuerbare Energie oder für Energieeffizienzprogramme nutzen.“

Interview mit Bettina Storck: „Wir kommen unserer unternehmerischen Verantwortung nach.“


Head of Group Sustainability Management der Commerzbank, Bettina Storck, im Interview über Motivationen und Erfahrungen auf dem Weg zum klimaneutralen Unternehmen.

Frau Storck, warum sollten Unternehmen sich heute für Klimaschutz engagieren?

Das geschieht zuallererst aus einer unternehmerischen Verantwortung heraus. Das Klima zu schützen, sollte heute eine Selbstverständlichkeit sein. Unternehmen dürfen sich dabei außerdem über positive Nebeneffekte freuen. Die Klimaneutralität mag gut für die Reputation am Markt sein, sie spart aber auch Kosten ein. Wer weniger Energie verbraucht spart Geld. Bei der Commerzbank haben wir beispielsweise flächendeckend in allen Filialen in Deutschland die Beleuchtung auf LED-Technik umgestellt. Diese Investition hatte sich bereits nach drei Jahren amortisiert.

Wie wird aus einem Unternehmen ein klimaneutrales Unternehmen?

Das ist üblicherweise ein dreistufiger Prozess, an dessen Beginn die Ermittlung des CO2-Fußabdrucks des Unternehmens steht. Diesen kann man selbst berechnen oder berechnen lassen. Das ist weniger kompliziert, als viele denken, denn am Ende geht es nicht darum, die CO2-Emissionen bis aufs letzte Gramm genau zu berechnen, sondern es wird mit Näherungswerten gearbeitet. Wenn sich das Unternehmen dann durch Expansion oder Zukäufe nicht substanziell ändert, kann man mit diesem einmal berechneten Wert einige Jahre arbeiten. Im nächsten Schritt wird dann versucht, die eigenen Emissionen zu reduzieren. Und die Emissionen, die dennoch nicht zu vermeiden sind, werden schließlich über CO2-Zertifikate kompensiert.

Die Commerzbank ist seit 2015 klimaneutral. Wie hat sie das erreicht?

Wir haben bereits 2008 eine Klimastrategie verabschiedet, die bis 2020 reichte und nun fortgeschrieben wird. Nachdem wir unseren CO2-Fußabdruck kannten, haben wir im ersten Schritt deutschlandweit auf erneuerbare Energien umgestellt, was bereits viele Emissionen eingespart hat. Die schon erwähnte Umstellung der Beleuchtung auf LED war ein großer Faktor, ebenso eine etwas strengere Reiserichtlinie. Seitdem werden Strecken unter 500 Kilometern fast ausschließlich per Bahn zurückgelegt. Ein weiteres Beispiel ist unser Rechenzentrum, das konstant und energieintensiv gekühlt werden muss: Die Temperatur dort haben wir um zwei Grad erhöht und vermeiden auch damit in großem Umfang Emissionen.

Emissionen, die nicht entstehen, sind der beste Klimaschutz. Was spricht dennoch für CO2-Kompensationen?

Die sehr einfache Antwort lautet: Sie sind besser, als gar nicht zu handeln. Außerdem haben diese Zertifikate – wenn die richtigen gewählt werden – weitere positive Effekte vor Ort. Gerade Entwicklungs- und Schwellenländer sind vom Klimawandel besonders betroffen, den aber überwiegend die Industrieländer verursachen. Mit dem Kauf von Zertifikaten von Projekten in diesen Ländern, beispielsweise für Wasserkraftwerke in Vietnam, kommen wir unserer unternehmerischen Verantwortung nach. Es ist kein Ablasshandel, wie Kritiker gerne sagen, sondern ein legitimes Mittel, die globalen Auswirkungen der Emissionen wieder auszugleichen.

Wie zahlt sich Klimaneutralität für Unternehmen aus?

Ohne sichtbares Engagement beim Klimaschutz gehen Unternehmen heute vermeidbare Risiken ein und verpassen mögliche Chancen

  • Zugang zu finanziellen Ressourcen: Banken und Investoren achten zunehmend darauf, in welchem Umfang Unternehmen ein Bewusstsein für den Klimaschutz zeigen und sich für Nachhaltigkeit engagieren, bevor sie z. B. Kredite und Beteiligungen zur Verfügung stellen.
  • Verbesserung von Reputation und Image: Klassische Medien und soziale Netzwerke registrieren und würdigen die zeitgemäße Positionierung als ein um Nachhaltigkeit bemühtes Unternehmen. Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter betrachten ein Engagement für Klimaneutralität oft schon als selbstverständlich.
  • Attraktivität als Arbeitgeber: Gerade die umworbenen jungen Nachwuchskräfte achten bei der Wahl ihrer zukünftigen Arbeitgeber verstärkt darauf, ob diese ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfolgen oder zumindest daran arbeiten.
  • Regulatorische Anforderungen im Blick behalten: Viele Unternehmen sind bereits heute dazu verpflichtet, bestimmte Informationen zum Umgang mit Nachhaltigkeitsaspekten in einem öffentlichen Bericht zur Verfügung zu stellen. Für Unternehmen der Finanzbranche erwachsen aus dem Aktionsplan „Financing Sustainable Growth“ weitere Pflichten. Darüber hinaus werden aus dem geplanten Sorgfaltspflichtengesetz zusätzliche Anforderungen an Unternehmen und ihre Lieferketten gestellt.

Die Commerzbank ist seit 2015 ein klimaneutrales Unternehmen

Auch die Commerzbank ist seit vielen Jahren aktiv im Klimaschutz engagiert. Die seit 2009 verfolgte Klimastrategie sah eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 70 Prozent bis 2020 vor. Dieses Ziel wurde bereits 2018 erreicht. Die verbleibenden Emissionen gleicht die Commerzbank seit 2015 mit Zertifikaten aus Klimaschutzprojekten aus und arbeitet damit seitdem komplett klimaneutral. Zugleich berät das Institut seit über 15 Jahren internationale Unternehmen bei der Beschaffung von Emissionsrechten und -zertifikaten, den sogenannten Certified Emission Reductions (CER). Heute ist die Commerzbank eines der führenden Häuser im Emissionsrechtehandel.